El arte de ser feliz
El arte de ser feliz Weil die Angelegenheiten des Lebens, die uns betreffen, ganz abgerissen, fragmentarisch, ohne Beziehung auf einander, im grellsten Kontraste stehend, ohne irgendein Gemeinsames, als daß sie unsre Angelegenheiten sind, auftreten und durcheinanderlaufen; so müssen wir unser Denken und Sorgen um sie, damit es ihnen entspreche, eben so fragmentarisch einrichten; d.h. wir müssen abstrahieren können; wir müssen jede Sache zu ihrer Zeit bedenken, besorgen, genießen, erdulden, ganz unbekümmert um alles übrige; — gleichsam Schiebfächer unsrer Gedanken haben, wo wir eins öffnen, alle andern schließen: Dann wird uns nicht eine schwere Sorge jeden gegenwärtigen kleinen Genuß zerstören und alle unsre Ruhe nehmen, eine Überlegung nicht die andre verdrängen, — die Sorge für ein großes nicht die Sorge für 100 kleine alle Augenblicke stören u.s.f. — Hiebei ist, wie in so vielen andern Angelegenheiten, Selbstzwang anzuwenden, zu welchem uns die Überlegung stärken muß, daß jeder Mensch doch so vielen und großen Zwang von außen erleiden muß, ein Leben ohne vielen Zwang daher unmöglich ist, daß aber ein kleiner an der rechten Stelle angewandter Selbstzwang vielem nachherigen Zwange von außen vorbeugt, wie ein kleiner Abschnitt des Kreises zunächst am Centro einem oft 100 Mal größeren an der äußersten Peripherie entspricht und gleich gilt.1 Durch nichts entziehn wir uns so sehr dem Zwange von außen als durch Selbstzwang. Daher: subjice te rationi si subjicere tibi vis omnia [«Unterwirf dich der Vernunft, wenn du dir alles unterwerfen willst», Seneca, Epistulae ad Lucilium, 37,4]. Auch haben wir den Selbstzwang noch immer in der Gewalt und können im äußersten Fall oder wo er die empfindlichste Stelle unsrer Natur trifft, nachlassen: aber der Zwang von außen ist ohne Rücksicht und Schonung und unbarmherzig: daher ist es wohlgetan, diesem durch jenen vorzubeugen.
