El arte de ser feliz
El arte de ser feliz Um nicht sehr unglücklich zu werden, ist das sicherste Mittel, daß man nicht sehr glücklich zu werden verlange, also seine Ansprüche auf Genuß, Besitz, Rang, Ehre u. s. f. auf ein ganz Mäßiges herabsetze: denn eben das Streben und Ringen nach Glück zieht die großen Unglücksfälle herbei. Jenes ist aber schon darum weise und ratsam, weil sehr unglücklich sein gar leicht ist; sehr glücklich zu sein hingegen nicht etwa schwer, sondern ganz unmöglich.1 Besonders erbaue man seine Glückseligkeit nicht, mittelst vieler Requisita, auf einem breiten Fundament: denn auf solchem stehend stürzt es am leichtesten ein; da das Gebäude unsers Glückes sich in dieser Hinsicht umgekehrt verhält wie jedes andre, das auf breitem Fundament am festesten steht. Seine Ansprüche im Verhältnis zu seinen Mitteln jeder Art möglichst niedrig stellen ist das sicherste Mittel, großem Unglück zu entgehn. Denn alles positive Glück ist chimärisch, der Schmerz aber real.
Auream quisquis mediocritatem
Diligit, [tutus caret obsoleti
Sordibus tecti, caret invidenda
Sobrius aula.
Saevius ventis agitatur ingens
Pinus: et celsae graviore casu
Decidunt turres: feriuntque summos
Fulgura montes.
