El arte de ser feliz
El arte de ser feliz Jede Wirklichkeit, d.h. jede erfüllte Gegenwart, besteht aus zwei Hälften, dem Objekt und dem Subjekt, in so notwendigem und wesentli chem Verein, wie das Wasser aus Oxygen und Hydrogen besteht. Bei völlig gleicher objektiver Hälfte, aber verschiedener subjektiver, oder umgekehrt, ist die Wirklichkeit oder Gegenwart nicht mehr die gleiche. Die schönste und beste objektive Hälfte, bei stumpfer, schlechter subjektiver, gibt doch nur eine schlechte Wirklichkeit und Gegenwart; wie eine schöne Gegend bei schlechtem Wetter, oder, in einer schlechten camera obscura auf unebener Tafel aufgefangen. Die objektive Hälfte steht in der Hand des Schicksals und ist veränderlich: die subjektive sind wir selbst: sie ist im wesentlichen unveränderlich.1 Hieraus ist klar, wie sehr unser Glück abhängt von dem, was wir sind, von unserer Individualität, während man meistens nur unser Schicksal und das, was wir haben, in Anschlag bringt. Das Schicksal kann sich bessern, und Genügsamkeit verlangt von ihm nicht viel: aber ein Tropf bleibt ein Tropf und ein stumpfer Klotz ein stumpfer Klotz in alle Ewigkeit, und wäre er im Paradies von Huris umgeben. «Das höchste Glück ist die Persönlichkeit» [vgl. Goethe, West-östlicher Divan, Buch Suleika, 7. Stück].
1. Aus Foliant, § 221, am Rand.
