El arte de ser feliz
El arte de ser feliz Was man vorstellt, d. h. die Meinung andrer von uns, scheint schon auf den ersten Blick als unserm Glück unwesentlich: daher Eitelkeit, vanitas. Jedoch liegt es in der menschlichen Natur, daß wir großen Wert darauf legen. Es ist kaum erklärlich, wie sehr jeder Mensch sich innerlich freut, so oft er Zeichen der günstigen Meinung andrer merkt, und seine Eitelkeit irgendwie geschmeichelt wird: oft tröstet er sich über reales Unglück, oder den Mangel der Güter Nr. 1 und 2, durch Zeichen fremden Beifalls: und umgekehrt ist es zum Erstaunen, wie sehr jede Verletzung seiner Eitelkeit ihn kränkt, jede Zurücksetzung, Geringschätzung. Hierauf beruht das Gefühl der Ehre.11 Und diese Eigenschaft mag für das Wohlverhalten sehr förderlich sein, als Surrogat der Moralität. Einem denkenden Menschen ziemt es jedoch, dieses Gefühl möglichst zu mäßigen, sowohl wann ihm geschmeichelt wird als wann ihm wehe geschieht. — Denn das hängt zusammen. Sonst bleibt er in einer traurigen Sklaverei unter fremder Meinung. — Tam leve tam parvum est animus quod laudis avarum subruit aut reficit [«So ein lästiges, winziges Ding ist es, was einen ehrgeizigen Sinn niederdrückt oder aufrichtet!», Horaz, Epistulae II, 1, vv. 179-80].
Nach Ruf, d.i. gutem Namen, muß jeder streben: nach Rang bloß die, so dem Staate dienen: nach Ruhm im höhern Sinn dürfen nur äußerst wenige streben.