El arte de ser feliz
El arte de ser feliz Öfter die betrachten, welche schlimmer daran sind als wir, denn die, welche besser zu sein scheinen. Bei unsern wirklichen Übeln ist der wirksamste Trost die Betrachtung viel größerer Leiden anderer: nächst dem, der Umgang mit den sociis malorum [Leidensgefährten], die mit uns im selben Fall sind.1
1. Hiezu Nr. 36.
Zu Lebensalter:
Mit Unrecht bemitleidet man die Freudenlosigkeit des Alters und beklagt es, weil manche Genüsse ihm versagt sind. Jeder Genuß ist relativ, nämlich ist bloße Befriedigung, Stillung eines Bedürfnisses: daß mit Aufhebung des Bedürfnisses der Genuß wegfällt, ist so wenig beklagenswert, als daß einer nach Tische nicht mehr essen und nach ausgeschlafener Nacht nicht mehr schlafen kann. Viel richtiger schätzt Plato (Respublica, I) das Greisenalter darin glücklich, daß die Begierde nach Weibern nun endlich schweigt. — Bequemlichkeit und Sicherheit sind die Hauptbedürfnisse des Alters: darum liebt man im Alter vor allem das Geld, — als den Ersatz der fehlenden Kräfte. Nächst dem ersetzen die Freuden der Tafel die Freuden der Liebe. An die Stelle des Bedürfnisses zu sehn, zu reisen und zu lernen ist das Bedürfnis zu lehren und zu sprechen getreten. Ein Glück aber ist es, wenn dem Greise die Liebe zum Studium, zur Musik, selbst zum Schauspiel geblieben ist.1
