El arte de ser feliz
El arte de ser feliz Eine der größten und häufigsten Torheiten ist, daß man weitläufige Anstalten zum Leben macht, in welcher Art es auch immer sein mag. Bei diesen ist zuerst auch ein ganzes und volles Menschenleben gerechnet, welches aber die wenigsten erreichen: — sodann ist es, selbst wenn sie so lange leben, doch zu kurz für die Pläne, da deren Ausführung immer sehr viel mehr Zeit erfordert als man angenommen hat; — sodann sind sie, wie alle menschlichen Dinge, dem Mißlingen, den Hindernissen so sehr ausgesetzt, daß sie selten zum Ziel gebracht werden: und ist endlich auch alles erreicht, so hat man aus der Rechnung gelassen, daß der Mensch selbst sich mit den Jahren ändert2 und nicht dieselben Fähigkeiten weder zum Leisten noch zum Genießen behält: worauf er sein ganzes Leben hingearbeitet hat, das ist ihm im Alter ungenießbar, — den so schwer erreichten Posten ist er nicht mehr im Stande auszufüllen, also die Dinge kommen zu spät für ihn: oder auch umgekehrt, er kommt zu spät mit den Dingen, wenn er etwas Besonderes leisten und zu Stande bringen gewollt: Der Geschmack der Zeit hat sich geändert: ein neues Geschlecht nimmt keinen Anteil daran: Andere sind auf kürzerm Wege ihm zuvorgekommen:
Quid aeternis minorem
Consiliis animum fatigas?
[«Was mühst du deinen Geist,
Der doch zu schwach isf für ewige Pläne?»
